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Die Golfstaaten

 

 

Wer reich werden will muss reisen.
Den Namen haben die Golfstaaten nicht etwa wegen einer besonderen Anzahl an Golfplätzen oder an VW-Golfs, beides wäre Irreführung, sie werden deshalb so bezeichnet, weil sie am Persischen Golf liegen, ganz einfach also. Einer der Golfstaaten sind die sieben Vereinigten Arabischen Emirate: Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Umm al-Quwain, Ras al-Khaimah und Fujairah, von Westen nach Osten aufgezählt, wobei die ersten sechs am Persischen Golf liegen und das letzte am Indischen Ozean. Aber jetzt sehen Sie am besten auf einer Landkarte nach. Der Einfachheit halber heißen die jeweiligen Hauptstädte genau gleich.

Das liebe Öl
ist dafür verantwortlich, dass sich die Emirate wirtschaftlich sensationell entwickelt haben. Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s den Menschen gut. Den Emiratis besonders, und den Emirs erst. Kommt man nun als Tourist ins Land, guten Service erwartend, wird es nur selten passieren, dass diese Dienstleistungen von einem Emirati erbracht werden. Von den 4,3 Millionen Einwohnern (die Fläche ist nur wenig kleiner als Österreich) sind nur 21 Prozent Einheimische, das Land ist auf Gastarbeiter hauptsächlich aus Pakistan, Indien, Sri Lanka und Nepal angewiesen. Während in anderen Ländern üblicher Weise der Einheimische den Touristen nach seiner Herkunft fragt, beruht dieser Umstand in den Emiraten auf Gegenseitigkeit. Und wer mit Vorurteilen behaftet ist, dem sei jetzt gesagt, dass es praktisch keine Kriminalität gibt.
Die Emirate bilden eine ideale Kombination aus perfekt bewirtschafteten Stränden wie an der Adria, einer Unzahl an luxuriösen neuen Hotels zur Auswahl, beinahe das ganze Jahr über warmen Badewetters (im Sommer vielleicht zu warm), und einem freundlichen Service, wie man ihn sonst nur in Asien erlebt. Natürlich ist das eine künstliche Welt, extra für Touristen gezimmert, die wirkliche Gastfreundschaft der Beduinen wird der gemeine Tourist wohl nicht erleben. Den Urlaub als Beduine in der Wüste verbringen zu wollen wäre ebenso lächerlich wie für den Transfer vom Flughafen zum Hotel auf ein Kamel zu bestehen. Und das Urlaubs-Konzept, sich im Liegestuhl am Strand verwöhnen zu lassen und von Zeit zu Zeit das Meer aufzusuchen, ist ja auch kein Ursprüngliches.

Ab in die Wüste
Die Emirate liegen an der Rub al-Khali, mit ungefähr 800.000 km2 das größte zusammenhängende Wüstengebiet der Erde, auch das Leere Viertel genannt. Viel Sand für Ausfahrten, aber probieren Sie es nicht selber. Aus den Reifen werden zuerst zwei Drittel der Luft abgelassen um die Bodenhaftung zu verbessern und danach hat der Fahrer seinen Spaß. In unserem Fall war es Mohammed Omar, ein waschechter Dubaier, der von Zeit zu Zeit nach dem Befinden der Insassen fragt. Würde er das nicht tun, müsste er in seiner Freizeit das Fahrzeug reinigen, und kleine Hüpfer kündigt er vorher an. Nebenbei erklärt er, wie man von den verschiedenen Sandfarben auf die Dichte und damit Befahrbarkeit schließen kann. Zum Ausflug in die Wüste gehört auch ein Stop in einem Camp, an dem das Modernste die Toiletten mit richtigen Spülklo und Waschbecken samt Spiegel sind. Zur Beleuchtung hängen mit Energiesparlampen versehen Öllampen (ohne Öl), den Strom dafür liefert ein Generator. Unter einem Zeltdach hockt man sich nach alter Sitte zusammen und speist. Hernach, schon satt, setzt man sich auf ein wackeliges Kamel und trabt eine Runde um das Camp, wobei ein Stockerl als Aufstiegshilfe dient. Es riecht ähnlich wie auf einem Pferd.

Über Wüstenschiffe
Weil Kamele sehr teuer sind und bei Zusammenstößen mit Autos großen Schaden verursachen (meist werden auch Personen verletzt, weil der massige Körper der Kamele aufgrund der langen Beine genau auf Höhe der Windschutzscheibe einschlägt), wurden entlang der wichtigsten Straßenverbindungen Zäune errichtet, manchmal fährt man über eine Art Lattenrost, wie es ihn auch in den Alpen gibt, wenn Straßen die Kuhweiden kreuzen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich ein Kamel auf die Straße verirrt. Während der Autofahrer meist recht unwirsch hupt, ist beim Kamel kein Anstieg des Adrenalinspiegels feststellbar. Überhaupt, so kann man vermuten, haben die Kamele keine rechte Freude mit den Wüstensafaris, nicht weil es in der Einöde zu Zusammenstößen käme, nein, dazu wird viel zu langsam und vorsichtig gefahren, aber es geht um deren Arbeitsplätze, denn jeder Tourist im Allrad ist einer weniger am Kamel. So werden also im Anschluss an die Wüstenfahrt kurze pro forma Kamelritte durchgeführt, was sowohl die Kamele als auch die Touristen gelassen über sich ergehen lassen. Sollte es einem Kamel dabei einmal einfallen, den Touristen ärgern und abschlecken zu wollen, hat es vorsichtshalber ein gestricktes Zawinul-Hauberl ums Maul gebunden.
Heute werden Kamele aus zwei Gründen gehalten. Erstens zum Zwecke der Milch- und Fleischversorgung (gemein) und zweitens, um Rennen zu gewinnen (auch gemein). Kamelrennen sind ein beliebter Zeitvertreib und ein Sieg verschafft dem Besitzer hohe Anerkennung und gleichzeitig steigt der Wert seines Kamels. Siegerkamele sind immer weiblich, weil sie wegen längerer Beine doppelt so schnell rennen können (50 km/h) wie männliche (durch zwei). Ein männliches Kamel kostet daher auch nicht mehr als 10.000 Dirham, während für ein Siegerkamel zuweilen an die 2 Millionen Dirham hingeblättert werden. Diese Kamele erhalten vor Renneinsätzen zusätzlich zum Heu Honig und Rosenwasser (Doping). Die dritte Kategorie sind die Touristen-Schlepp-Kamele, eher von der Sorte Ackergaul und billiger. Wilde Kamele gibt es in den Emiraten nicht, auch nimmt praktisch kein Emirati heutzutage mehr das Kamel, wenn er von Sharjah nach Dubai will. Ein sechs Liter Chevi oder Landcruiser ist komfortabler als ein Kamel. Haben Sie schon einmal ein siebensitziges Kamel gesehen? Und Treibstoff ist in den Emiraten (ca. 30 Cent pro Liter) günstiger als Heu, auf hundert Kilometer gerechnet.

Ein paar Besonderheiten
Freitag ist ja bekanntlich der Sonntag in Arabischen Ländern. Und wie wir am Sonntag machen die Emirati am Freitag gerne Ausflüge. Der Unterschied ist, dass wir tagsüber ausfliegen, die Emirati jedoch nachts. Dann stehen abseits der Autobahnen, mitten in den Sandhügeln mächtige Allradfahrzeuge und eine Familie sitzt daneben im Kreis und es wird im Mondschein gepicknickt.
Die Telefongesellschaft in den V.A.E. heißt Etisalat, der Name kann aber dank Mobilfunk nicht aufgrund von Kabelsalat entstanden sein. Etisalats Wolkenkratzer in Dubai ist mit seiner goldenen Kugel am Dach eines der Wahrzeichen der Stadt.
Unter den Palmen am Strand der Emirate kann man sich getrost niederlassen, es handelt sich um Dattel- nicht um Kokospalmen. Meines Wissens wurde noch nie jemand von einer Dattel erschlagen.Shoppen ist vermutlich für viele das eigentliche Motiv zur Reise, und an Geschäften, Souqs und Malls gibt es tatsächlich so viel wie die Wüste in der sie liegen Sand hat. Und das buchstäblich: An der E311 irgendwo zwischen Dubai und Al-Ain liegt ein gerade eröffnetes Outlet mit 400 Geschäften. Es liegt so weit im Nirgendwo, dass es von der Kundschaft noch gar nicht entdeckt worden ist. Jedenfalls waren wir die einzigen Lebewesen außer den Verkäufern, Auskunft-Gebern, Aufpassern und Taxifahrern. Die Verkäufer waren so was von apathisch, mir kam es vor, als würde ich mich mit Lichtgeschwindigkeit durch Zombies bewegen. Aber vielleicht sind mittlerweile rund um das Outlet auch schon zehn Wolkenkratzer hochgezogen, ist mein Besuch doch schon eine Woche her.

Dummheiten am Golf

  • Alle Araber in einen Topf werfen.
  • Unpassende Kleidung tragen.
  • Jemanden anderen Geschlechts in der Öffentlichkeit küssen.
  • Einheimische Frauen fotografieren wollen.
  • Jemanden blamieren.
  • Die Beine übereinander schlagen und die Schuhsolen auf jemanden richten.
  • Während des Fastenmonats in Gegenwart eines Muslims etwas zu essen, zu trinken oder zu rauchen.
  • Einen Einheimischen am Freitag anrufen (er wird am Sonntag zurückrufen).
  • Eine Einladung zu einem Kaffee ausschlagen.
  • Alleine oder mit nur einem Auto in die Wüste fahren.
Mehr über die V.A.E. und Lesenswertes: Kabasci, Oldenburg, Franzisky: Vereinigte Arabische Emirate, Handbuch für individuelles Entdecken, Reise-Know-How Verlag; Neuschäffer, Dubai, Polyglott on tour; Williams, Don't they know it´s Friday?, Motivate Publishing; Dubai, V.A. Emirate und Oman, Merian C 4701 E.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass sämtliche Durchsagen im Flugzeug abgeschafft werden sollen.

 

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