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Über die Vorzüge der Business-Class

 

 

Die Bevorzugung beginnt schon beim Check-in im Flughafengebäude. An einem separaten Schalter wartet eine Dame oder ein Herr, die/der ein sehr freundliches Gesicht aufsetzt. Praktisch kein Warten, während daneben Hunderte, ja Tausende Ausflügler Zentimeter um Zentimeter in Richtung Pudel drängeln. Alles potenzielle Lottospieler.

Sogar der Koffer bekommt ein spezielles Schild und wird vornehmer behandelt, vermutlich bekommt er eine eigene Loge im Bauch des Flugzeuges und wird von den anderen Gepäckstücken beneidet. Jedenfalls wird der Koffer weniger angerempelt und er kann so seinen einzigen Daseinszweck, den Schutz und Zusammenhalt der ihm anvertrauten Gegenstände, leichter bewerkstelligen.

In der Kabine warten nette Stewards und -essen, fast warmherzig, und wenn man nach ihnen klingelt, kommen sie wirklich, in der Economyklasse kann man da nie sicher sein.

Und dann sind da die Sessel, Fauteuils statt Hocker mit Lehne, breiter, fetter, weicher und mit - der wohl bedeutendste Vorzug der Businessclass überhaupt - mit mehr Abstand in alle Richtungen. Ein Sessel fast wie beim Zahnarzt, in viele Richtungen verstellbar, nur das Wasser wird noch händisch serviert und statt der Bohrer dröhnen die über viertausend oder mehr Pferdestärken auf jeder Seite draußen.

Es besteht die totale Unabhängigkeit vom Vordersitz. In der Holzklasse, wie die Economyklasse umgangssprachlich gerne genannt wird, wird der Esstisch ja aus dem Rücken des Vordermannes geklappt. Sticht man mit der Gabel ins Chicken oder Beef, dann zuckt der Vordere zusammen. Darum wird in der Economyklasse synchron gegessen, immer alle gleichzeitig: Oberkörper nach vorne beugen - mit der Gabel zustechen - mit dem messerähnlichen Gegenstand ein Stück abtrennen - Mund auf und hinein damit - zurück lehnen - kauen und das Ganze wiederholen bis das Plastikschüsserl leer ist. Nur wenn man nach vorne gebeugt ist, spürt man die Zuckungen seiner Rücklehne höchstens in der Steißgegend. Würde der Vordere seinen Sitz nach hinten klappen wollen während der Hintere noch äße, so könnte der Hintere dem Vorderen direkt in die Augen blicken, jedoch nicht mehr in seinen Napf. Das passiert dann, wenn ein verwegener Passagier ein Spezialmenü geordert hat, vegetarisch zum Bleistift. Diese werden nämlich zuerst verteilt und es kommt zu unsynchroner Nahrungsmittelzufuhr. Ein höchst bedauerlicher Zustand für die ganze Umgebung.
Hat man ein solches special meal bestellt und schläft man gerade in dem Moment, in dem es gebracht wird, wird man gnadenlos geweckt. Schließlich wird die Kellnerin mit dem Tablett nicht wieder weggehen, was soll sie damit anfangen.

Aufgrund der Enge verschmelzen Vorder- und Hintermann/frau in der Economyklasse quasi zu einer Einheit. Macht der vordere eine gröbere Bewegung, setzt sich das nach hinten fort. Man kann sich das bildlich so vorstellen: zahlreiche Eisenkugeln hängen an einer Leine und man lässt die vordere Kugel auf die zweite knallen. Sodann schlägt fast im selben Augenblick die letzte Kugel nach hinten aus, kracht dann wieder retour auf die vorletzte, was sich wiederum nach vorne fortsetzt und die erste zum Ausschlag bringt. Ebenso funktioniert das in seitlicher Richtung sowie diagonal. So geht das in der Economyklasse bis zur Landung dahin, wonach jeder seiner Wege geht als wäre nichts geschehen. Das nur, um die Sardinendose nicht zu bemühen. So, aus, jetzt aber zurück ins Wohnzimmer der Lüfte, wo nur der offene Kamin fehlt.
Die Pölster sind größer und kuscheliger und rutschen nicht zwischen Armlehne und Wand, die Decken sind wattiert und keine Kraftwerke zur Erzeugung von Strom. Selten schreien Kinder durch die Gegend, weil für Familien diese Klasse viel zu teuer ist. Die Airlines verlangen eine klare Entscheidung: Kinder kriegen oder Businessclass fliegen. Weniger wahrscheinlich wird in der Nachbarschaft gepöbelt, weniger Alkräusche werden zelebriert, was dem eigenen Schlaf förderlich ist. Der Lesestoff reicht für eine Weltumrundung und noch muss man auf den Film verzichten, vom Ausprobieren der zahlreichen Videospiele ganz zu schweigen. Die Frequenz auf den Häuseln in der Businessclass ist deutlich niedriger, weil auf ein Klo eine weit geringere Anzahl an Sessel kommt. Das wirkt sich höchst positiv auf deren Sauberkeit aus, besonders dann, wenn es draußen Turbulenzen gibt.

´I uffici sono chiuso´, sagte die Klofrau im Café Rivoire am Piazza della Signora in Florenz und setzt die Toiletten trotz langer Warteschlange zwecks Reinigung außer Betrieb. Wirklich.

Die Speisekarte (mit integrierter Weinkarte) gleicht der meines Lieblingsrestaurants. Das Menü ist siebengängig: Erfrischungstuch - Canapé - mehrere Vorspeisen - Suppe - verschiedene Hauptspeisen - Nachspeisen - Kaffee. Das Getränke wird zum Essen gebracht, nicht fünf Stunden danach und wenn man ein außerplanmäßiges Nickerchen eingeschoben hat, dann wird die Essenszeit flexibel verschoben. In der Economyklasse undenkbar, da ist dann der Zug abgefahren und es wird gegessen, wenn das Essen auf das Bretterl kommt.

Nur einen Nachteil hat die Businessclass im Gegensatz zur Economyklasse. Im Trubel der Massenabfertigung lässt sich leicht eine Kaffeelöffelsammlung zusammentragen. Das funktioniert in der Businessclass wegen der sorgfältigen Abwicklung der Speisenfolge nicht ohne eventueller Forderung nach einer Rückabwicklung des Geschäftes.

 

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