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Seychellen

 

 

SeychellenEin paar Tage vor der Abreise ins Paradies rufe ich verzweifelt Theo an, weil der ist Spezialist und mein Computer hat etwas. Theo fragt, warum so eilig. Na, ich flieg auf die Seychellen. "Mit Leuten, die auf die Seychellen fliegen, hab ich kein Mitleid", ist seine freche Antwort.

Strandschaftlich kommen die Seychellen dem Paradies wirklich sehr nahe (nur der Klodeckel geht dort auch nicht von selber nach oben und man darf dort auch nicht jeden Tag acht Bananensplit essen, ohne zuzunehmen). Und wo sonst in den Tropen fließt reines Trinkwasser aus der Dusche.

Nur 75.000 Menschen leben auf den etwa 110 Seychellen-Inseln (wie immer sind die wirklich schönen Dinge selten), davon gleich 45.000 auf der Hauptinsel Mahé. Auf Mahé liegt die kleinste Hauptstadt der Welt: Victoria mit 2.000 Einwohnern, einem Big Ben-Nachbau, einem Regierungsgebäude, einer Thunfischfabrik, einem Botanischen Garten und daneben einem Krankenhaus und noch ein paar anderen Gebäuden.

SeychellenUnd wo sonst schaut einem eine Krabbe direkt in die Augen während man gerade dösend auf dem Handtuch liegt und sich nichts dabei denkt, weil ja Urlaub ist. Es gibt nämlich überall noch weiße und schwarze Krabben, die weißen leben im Sand und die schwarzen auf den Felsen, was ein Beweis für die intakte Umwelt ist. Die schwarzen habens gut, weil die haben ihr Haus unter den Felsen und da will kein Tourist liegen, weil der will braun werden. Die weißen Krabben führen einen täglichen Kampf mit den Touristen. Aber man arrangiert sich: der Tourist legt sein Handtuch hin wo er will und die Krabbe baut sich ein neues Haus. Obwohl so ein Tourist der Krabbe wohl vorkommt wie Gulliver persönlich, bleibt die Krabbe trotzdem Sieger, weil sie wohnt immer noch am selben Strand wenn der Tourist längst wieder abgereist ist.

Wussten Sie, dass die schwarzen Krabben von Felsen zu Felsen hüpfen, 40 cm sind da gar nichts. Und sie können sogar kurze Strecken über das Wasser laufen, und das ist kein Urlauberlatein.

SeychellenUnd die Fische unter Wasser erst: Die sind sehr zutraulich, haben keine Angst vor Eindringlingen. Der Papageienfisch sekkiert immer die kleineren Fische (wie im wirklichen Leben) und nur 30 Meter vom Ufer ist vor mir ein junges Rochen geflohen (wenn der Papa gekommen wär, wär ich weg gewesen). Die bunten Fische halten einen weiteren Sicherheitsabstand ein als die brauen, schwarzen, unscheinbaren Fische, weil die müssen sich ein wenig in Szene setzen, wollen auch bewundert werden und kommen näher. Da sind so viele Fische zu bewundern, schon pervers, dass man sie nachher gegrillt, kaum 50 Meter entfernt, aufisst und sich nichts dabei denkt. Aber man ist ja im Urlaub, da braucht man nicht denken, da ist Erholung angesagt. Auch unter Wasser gibt es überall Granitsteine, auf denen Pflanzen nur so wuchern. Da fragt man sich, wer wohl die vielen Steine bepflanzt.

Und nirgendwo sonst fließen so zahlreich klare, saubere Bäche über den Strand ins Meer. Wahre Spielplätze für große kleine Kinder wie mich. Haben Sie schon einmal eigenhändig ein ganzes Flusssystem umgeleitet, einen Wasserfall angelegt und ein Kraftwerk gebaut? Und am Abend schläft man mit dem zufriedenen Gefühl ein, Großes geschaffen zu haben.

Tipp: Achten Sie beim Kauf von Strandschlapfen, ob sie sich als Maurerkelle eignen (feste, flache Sohle). Mit einem Schauferl aber ohne Kind fällt man auf, verreisen Sie mit Kindern, sind Sie im Vorteil. Merke: 1 Kind = 2 Schauferl, 2 Kinder = 3 Schauferl, 0 Kind = Schlapfen.

SeychellenDie Inkubationszeit beträgt übrigens im Normalfall zwei bis drei Tage, spätestens nach vier hat es jeden erwischt. Nur wer sich massiv zur Wehr setzt, kann die Ansteckung auf den fünften Tag hinauszögern, höchstens. Kein Wunder, wird man doch schon durch entfernten Kontakt mit Einheimischen oder bereits infizierten Touristen angesteckt. Man bewegt sich langsamer, spricht weniger, denkt länger, wahrscheinlich schlägt sogar das Herz langsamer. Manche brauchst du gleich gar nichts fragen, weil der Befragte beginnt frühestens in zehn Minuten mit der Bewegung der unteren Kinnlade, um dann noch viel später eine Antwort konstruiert zu haben. Diese Fälle sind aber schon eher selten. Aber ist man einmal angesteckt, dann beginnt man zu relaxen, dann beginnt der eigentliche Urlaub, die Erholungsphase. Und die Insel kommt einem dann auch gar nicht mehr so klein vor, da braucht man dann schon ganz schön lang, bis man die vier Kilometer über die Küstenstraße nach Grand Anse gekommen ist, um dem Fischer beim Verkauf seiner frischen Fisch zuzusehen, gedanklich. Und dabei ist die ganze Insel nicht größer als Kitzeck mit etwas Umgebung (10,5 mal 3,7 km). Nur einer hat sich scheinbar erfolgreich dagegen zur Wehr gesetzt, der Manager des Hotels. Der wieselt vielleicht durch die Gegend; das schaut aus der Sicht der Infizierten wie im Zeitrafferfilm aus.

Buchtipp für heiße Tage am Strand: Auferstehung der Toten von Wolf Haas. Weil erstens lustiger Krimi über Erfrierungen am Sessellift und zweitens dings. Luft praktisch kühl.

SeychellenDer Manager ist auch der einzige, der tagsüber mit langen Hosen herumläuft. Was aber nur schwer zu erkennen ist, weil er ja so schnell flitzt. Tagsüber gibt man sich nämlich eher leger. Aber abends, da wird man kindly requested, lange Hosen zu tragen. Nur die Männer übrigens und das ist ungerecht. Für Frauen gibt es keine Kleidungsvorschriften. Und alle, alle halten sich daran. Kein Wunder, wer möchte schon die erste und einzige Ausnahme sein. Ich finde nur, dass man das vorher wissen müsste. Weil so denkt man sich, viel zu warm, braucht man nur eine Hose zum Hin- und Herfliegen, und jetzt hat man die praktisch jeden Tag an, bei der Luftfeuchtigkeit und Hitze. Also ich möchte beim Rückflug nicht neben mir gesessen haben. Apropos Flug: Sehr bequem und sehr freundlich in der Air Seychelles, auch in der Holzklasse. Die First Class heißt übrigens Pearl Class.

Tipp: Das Besteck ist im Flugzeug mit einer Plastikklammer zusammengehalten. Nehmen Sie diese Klammer mit, sie eignet sich zum Festklammern des Handtuches am Liegestuhl, damit es der Wind nicht wegweht.

Dass die Inseln nicht besonders groß sind, merkt man schon am Flughafen gleich nach der Landung. Da sagt niemand, dass man solange angeschnallt bleiben soll, bis das Flugzeug zum Stillstand gekommen ist, weil sich ein so langer Satz gar nicht ausgeht, steht das Flugzeug schon. Und zum Domestic Flughafen sind es genau 180 Meter, also hintenherum, an den Taxis vorbei. Und zur Nachbarinsel Praslin fliegt man dann auch gleich mit einem kleinen Flieger, auf einem Stockerl mit Nierenstütze und Beckengurt. Und der Pilot - in unserem Fall eine junge Pilotin - hat neben seinem Sitz eine eigene Tür direkt nach draußen.

SeychellenGleich neben der Landepiste auf Praslin gibt es ein Sea Aquarium. In einem fünf Meter langen, zwei Meter breiten und einen halben Meter tiefen Becken liegen Mördermuscheln und schwimmen diverse Fische wie man sie auch beim Schnorcheln beobachten kann und als Attraktion ein paar kleine Haie. Und ein Mitarbeiter steht mitten drinnen und reinigt den Boden des Aquariums. Ich hab ihm noch ´Achtung Hai´ zugerufen, aber die kannten einander gut.

Tipp: Wenn Ihnen kein Text für die Ansichtskarte einfallen sollte, schreiben Sie: Herzliche Grüße und viel Glück, wir sind bald zurück. Oder: Platz für persönliche Notizen.

Wie die Flugzeuge das machen, weiß ich nicht. Aber auf der Straße herrscht Linksverkehr. Manchmal. Weil meistens sind die Straßen so schmal, da fährt man einfach in der Mitte, also zu je gleichen Abständen zum Straßengraben. Nur wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer entgegenkommt - das kann sein ein Fußgänger, ein tapferer Tourist auf einem Mountainbike mit Einkaufskorb an der Lenkstange (diese Vehikel gibt es in vielen Hotels leihweise) und gelegentlich ein Auto oder gar ein Linienbus - in so einem Fall reduziert man die ohnehin niedrige Geschwindigkeit auf fast null und macht einen Bogen und das ist jetzt wichtig: auf die falsche Seite. Macht man den Bogen auf die falsche falsche Seite, ist man automatisch als Tourist entlarvt. Ist der Entgegenkommende einheimischen Ursprungs, erntet man Gekicher, ist es ebenfalls ein Tourist, tut man so als merke keiner was, weil dann gleicht sich die Angelegenheit aus. Man gewöhnt sich aber bald an den falschseitigen Ausschlag des Lenkrades, nur bei Kreuzungen muss man sich kurz zusammenreißen. Apropos niedrige Geschwindigkeit: Man fährt trotzdem binnen kurzer Zeit vom südlichsten zum nördlichsten Punkt der Insel, was ein sicherer Beweis dafür ist, dass es eine kleine Insel ist.

Tipp: Borgen Sie sich kein Fahrrad aus, wenn sie am nächsten Tag die Nachbarinsel La Digue besuchen. Weil dort werden Sie sich auch ein Fahrrad ausborgen, und an zwei Tagen hintereinander tut das dem Hintern nicht gut.

SeychellenInsgesamt gibt es nur sechshundert Touristenbetten auf Praslin, was ein Glück für die Krabben ist. Und die Hotels sind eher klein, der Insel angepasst halt. Wären sie größer, würden sie zu viel Platz von der Insel wegnehmen, und das wäre wiederum schlecht für den Naturschutz.

Das Wahrzeichen der Seychellen ist die Coco de Mer, die nur an wenigen Stellen auf Praslin (Vallee de Mai) und Curieuse wächst und streng geschützt ist. Es gibt einen männlichen Baum mit Früchten, die ausschauen wie riesige Schniedelwutze und einen weiblichen, deren Nüsse dem entsprechenden weiblichen Körperteil mit Umgebung ähneln. Über so manchen Klotüren sind statt "Ladies" und "Gents" die entsprechenden Kokosnüsse aufgehängt. Da muss man schon ein biologisches Grundwissen aufbringen, um das richtige Häusl zu betreten.

Zur Verständigung: Praktisch jeder spricht Kreolisch, Englisch und (nicht ´oder´) Französisch, alles Amtssprachen. Man verhungert aber nicht, wenn man keine der drei Sprachen spricht. Man kann sich auch durch schlüssiges Handeln verständlich machen: Man setzt sich an den Tisch und es wird einem serviert, außer es gibt Buffet, da holt man sich selber, aber das wissen Sie sicher. Einmal die Woche gibt es ein Buffet mit creolischen Spezialitäten (probierenswert, aber teilweise sehr scharf, brennt zweimal) und die sonst so unaufdringliche Restaurantmitarbeiterin entpuppt sich bei heimischer Folklore als wilde Tänzerin, ein Leckerbissen für die offenen Münder der Touristen.

Restaurantempfehlung: ´Bon Bon Plume´ für Fischliebhaber, an der Anse Lazio ganz im Norden gelegen, wahrscheinlich am schönsten Strand der Insel; ´Capri´ in Grand Anse mit italienischen Spezialitäten.

Informationen unter www.sey.net/plan.htm

SeychellenDie Fakten: Zeitverschiebung nur drei Stunden, was sehr angenehm ist. Arbeitslosenrate 3%. Milch wird aus Holland importiert. Die Seychelloise selber urlauben auf Mauritius, Reunion oder Dubai (die habens gut). Da es auf den Seychellen keine Universität gibt, wird das Auslandsstudium vom Staat bezahlt. Der Absolvent verpflichtet sich aber, nach seiner Rückkehr zuerst zwei Jahre für wenig Geld für die Regierung zu arbeiten. Ab dem 63. Lebensjahr erhält jeder Staatsbürger eine Pension. Die medizinische Versorgung und die Schulbildung sind gratis. Taxifahrer würden ihre Lizenz verlieren, wenn sie während der Fahrt rauchten. Seit kurzem gibt es eine zweite Telefongesellschaft und die Tarife sind - oh Wunder - stark gefallen. Praktisch jeder hat ein Handy. Die Regierung baut Sozialwohnungen, wobei deren Zins 5 Prozent des Einkommens des Mieters beträgt. Rund 6.000 Einwohner leben direkt vom Fremdenverkehr. Der Kollektivlohn ist 2.100 SR, das sind rund 400 Euro. Autos werden importiert und sehr hoch besteuert. Mopeds findet man kaum. Deren Vermietung an Touristen wurde nach zahlreichen Unfällen verboten. 90 Prozent bekennen sich zur röm. kath. Kirche, 5 Prozent zur anglikanischen.

P.S. Theo hat dann doch noch gute Arbeit geleistet.

Noch ein Tipp: Wenn Sie bei der Rückreise am Flughafen vom Zöllner gefragt werden, wo Sie herkommen, sagen Sie nicht: aus St. Andrä Kerschegg. Der meint sicher den Urlaubsort.

 

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