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Franz Lex´ Café Haus

 

Franz Lex´ Café Haus ist das einzige der ganzen Umgebung, das als echtes Kaffeehaus bezeichnet werden darf. Es handelt sich nicht um ein ordinäres Café (obwohl es auf dem straßenseitigen Schild bescheiden als solches bezeichnet wird), sondern um ein richtiges Kaffeehaus. Und ´echt´ orientiert sich hier (zwar ungern, aber es muss sein) an Wien und dessen Kaffeehäuser. Dazu zählen Merkmale wie das Vorhandensein aller wichtigen und unwichtigen Tageszeitungen, dem Angebot zahlreicher verschiedenster Kaffee-Zubereitungen und die Atmosphäre der Einrichtung. Diese darf keinesfalls neu, schon gar nicht modern sein, eine gewisse Schummrigkeit, Abgenutztheit der Möbel ist erwünscht, ja Grundbedingung.

Und dazu gehört auch wie der Ober mit den Besuchern konferiert, die wohlgemerkt Besucher und nicht Gäste sind. Eine gewisse Unhöflichkeit, etwas Gleichgültigkeit den Besuchern gegenüber, manchmal eine abfällige Bemerkung über die Art der Bestellung sind notwendig, um als echt zu gelten. Und das ist eben das Manko Franzis Café Haus. Die beiden Ober Hermi und Frieda sind hier erstens weiblich und zweitens viel zu freundlich.

Natürlich werken bei Franz Lex noch eine ganze Reihe anderer Personen im Vordergrund (im Laden und in den Besucherräumen) wie im Hintergrund (Backstube, Küche und Abwasch), und allesamt sind sie zu nett und zuvorkommend für das Kaffeehaus und für den Titel Ober sowieso. Schon äußerlich mangelt es an der schwarzen Berufsbekleidung.

Beinahe immer trifft man auch Franzis Mutter im Kaffeehaus, nur wenn ihr Franzi - und das tut er zu jeder sich bietenden Gelegenheit - einen Aufenthalt in einem Wellness- oder sonst sehr komfortablen Hotel schenkt, ist sie verreist und daher nicht anzutreffen. Andere Gründe für ihre Abwesenheit gibt es nicht.

Franzi selbst hält sich nebst zahlreichen Opern- und Theaterfahrten öfter in Italien und einmal jährlich für zwei oder drei Wochen in Indien auf. Aus diesen Forschungsreisen bringt er diverse Rezepturen mit, die - zu Produkten verarbeitet und zeitlich versetzt - im Laden angepriesen werden. So wird es einem nie fad, immer gibt es neue Sachen, Gerüche und Geschmäcker.

Ist vom Laden die Rede, dann sagt man ´draußen´, obwohl der Laden natürlich noch nicht ganz im Freien liegt, sondern genau zwischen dem eigentlichen Kaffeehaus ´drinnen´ und dem Stainzer Hauptplatz. Der Laden ist auch die Stelle, von der die Kaufleute der Umgebung ihre Jause, gelegentlich auch das Mittagessen, abholen oder abholen lassen.

Üblich ist auch die kombinierte Form des Besuchs, bei der beide Örtlichkeiten aufgesucht und ihrer jeweiligen Bestimmung entsprechend genutzt werden. Dabei lässt sich wertvolle Zeit sparen, weil während draußen die Jause hergerichtet und verpackt wird, wird drinnen der Kaffee konsumiert.

Eigentlich ist der Kaffee aber nur die Nebensache, der vorgeschobene Grund, ins Kaffeehaus zu gehen. Die Hauptsache ist die Konversation mit Franzi und untereinander und das Beobachten und Belauschen des Tratsches anderer. Ins Kaffeehaus geht man auch, wenn man zum Alleinsein Gesellschaft braucht.

Franzi sorgt dabei für das Ambiente, für die Verköstigung mit frischem Gepäck, köstlichen Süßspeisen, den besten Weinen und Sekten und mit Kaffee von höchster Qualität, für die Kunst an den gelbstichigen Wänden, die das Manko der Ober ein wenig ausgleicht, weil solche Bilder gibt es in Wiener Kaffehäusern nicht.

Seine Besucher dankens ihm mit reger Anwesenheit und angeregter Unterhaltung und Franzi hilft dieser manchmal auf die Sprünge und der charmante Stainzer Witz, der seinen Ursprung vermutlich im Wirken eines gewissen Erzherzog Johann und der Etablierung des Schilchers hat, wird gepflegt.

 

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