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Mykonos

 

 

Mykonos ist nicht die billigste Insel unter den Kykladen. Aber sie steht sowieso nicht zum Verkauf. Dafür ist sie komfortabel, windig, sonnig, exzentrisch und ausgelassen.

Es gibt zwei Möglichkeiten des Urlaubs: In oder auf Mykonos. Beim wohnzimmerlichen Diavortrag vor Publikum muss man da später schon genau unterscheiden, sagen die beiden Wörter doch aus, ob man ein Hotel in der Stadt Mykonos oder außerhalb der Stadt, an einem der zahlreichen Strände, also auf der Insel bezogen hat.

Die Touristen teilen sich in genau diese zwei Gruppen, jeder ein eigener Menschenschlag. Die Stadtbewohner, welchen die Nacht wichtiger ist, strömen ab dem späten Vormittag (manche erst am Nachmittag) per Bus und Taxiboot an einen der Strände. Die Strandbewohner, welchen der Tag wichtiger ist, sind schon da, weil sie direkt nach dem Frühstück an den Strand geschlapft sind. Die Strandschläfer bevölkern in der Regel auch die vorderen Reihen der Liegestühle und sind meist munter. Die Nachtschwärmer belegen, weil zu spät gekommen, die hinteren Reihen und schlafen auch am Tag.

Und abends benutzen beide Urlaubsphilosophien gemeinsam - und genau da stoßen die beiden Welten aufeinander - einen überfüllten Linienbus in die Stadt. Die salzwasserklebrigen und die frisch gebadeten Touristen fühlen sich wie Sardinen in der Dose und die frischen ärgert ein wenig, dass ihr aufgetragener Duft für die Nacht noch vor der Ankunft in der Stadt verloren gegangen ist.

Der Bus ist so voll, dass mit ein wenig Glück und wenn man ganz hinten sitzt (selten) oder steht (meistens), der Ticketschaffner es nicht schafft, rechtzeitig abzukassieren. Man spart sich so locker fünf Schilling täglich. Es sind nämlich nur vier Kilometer.

Die Mykonosser (sagt man so?) geben es zwar nicht gerne zu, aber im 16. und 17. Jahrhundert diente die Insel als Schlupfwinkel der Piraten. Das Beutegut wurde billig aufgekauft und in Konstantinopel, Italien und Frankreich teuer verkauft. Durch diesen Handel gelangte die Insel zu Wohlstand.

Die Windmühlen erfüllten zwar auch ihren Zweck, haben aber bei weitem nicht alle Einwohner ernährt. Die Häuser am Meer verfügen noch heute über einen direkten Zugang zum Wasser. So konnte die Beute unbemerkt an Land transportiert werden. An dieser Stelle sitzen heute die Touristen und bewundern Cocktails schlürfend den Sonnenuntergang.

Die Gassen sind so eng und unübersichtlich angelegt, dass ein eventueller Piratenjäger locker abgehängt werden konnte. Städtebaulich heutzutage eine Katastrophe. Alles musste zur Fußgängerzone erklärt werden. Aber jede einzelne Gasse ist erschlendernswert. Noch nach Tagen des Erkundens der Stadt und auch wer sogar die Tanzmühle im Sulmtal findet, wird die Taverne vom Vortag nicht wiederfinden, höchstens zufällig. Daher sind Tavernen und Restaurants alle paar Meter etabliert. Niemand muss also verhungern. Einen Anhaltspunkt bietet Petros der Pelikan, quasi das Wahrzeichen der Insel. Ab 20 Uhr trifft man ihn nahe der Kirche Paraportiani (eigentlich sind es fünf miteinander verschmolzene Kirchen) und von da ist es nicht mehr weit zu Nikos.

Mykonos ist eine sehr elegante Stadt mit vielen noblen Geschäften und Boutiquen. Man sagt, das Saint Tropez der Kykladen. Ich war zwar noch nie in Saint Tropez, aber wenn es stimmt, dann weiß ich jetzt auch, wie es dort ausschaut.

Ab Mitternacht ist das Viertel Venetía ein einziges großes Lokal, so was von einem Bermuda Dreieck, Mehlplatz und Glockenspielplatz zusammen hoch zehn. Na hallo, geht's da zu.

Ich für meinen Teil gehörte zu den Strandbewohnern und empfehle Plati Gialos, einen feinen Sandstrand mit komfortablen Sonnenliegen drauf, netten Yachten davor und guten Tavernen und einem Zeitungskiosk dahinter. Die Zeitungen erscheinen in Griechenland komischerweise um einen Tag später, zwar nur die deutschsprachigen, aber bei den griechischen konnte ich nur die Bilder lesen.

Restaurantempfehlung: "Chez Marias" und "Nikos", beide irgendwo in der Stadt, man findet sie oder man findet sie nicht.

Geschichte: Benannt nach dem Heros Mykonos, Enkelsohn des Gottes Apollon Anios. Die ersten Einwohner waren Leleger und Karer (schon einmal gehört?). Im Laufe der Zeit ließen sich auch Ägypter, Phönizier, Kreter und um 1000 v. Chr. die Ioner nieder (schon eher bekannte Leute). Später wurde Mykonos abwechseln von den Osmanen und den Venezianern beherrscht (die kenne wir). Im 18. Jahrhundert kamen die Bewohner durch den Aufschwung der Seefahrt und die Herstellung von Woll- und Baumwollartikeln zu Wohlstand. Auch die Getreidewindmühlen und Bäckereien brachten Einnahmen. Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt ging der Wohlstand zu Ende. Eine Wende brachte ab 1950 der Tourismus.

Fakten: 85 Quadratkilometer, höchste Erhebung 350 Meter, fast keine Bäume. Es gibt Blei-, Silber- und Bariumsulfatvorkommen, 3.000 Sonnenstunden pro Jahr, kristallklares Meer und viele Sandstrände.

Internet: www.209.68.16.57/tourism/mykonos/index.htm

www.agn.hol.gr/hellas/mykonos/mykonos.htm;

Geschichte: www.vacation.net.gr/p/mykonos.html

 

 

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